Damals, als ich noch klein war
4. Februar 2010 von: noneworldhört sich verdammt lang her an, ist aber nicht wirklich so.
Ich habe gestern abend auf 3sat eine Sendung gesehen, die sich ausschliesslich um das WorldWideWeb drehte. Es wurde über Social Networks und Co. gesprochen und wie sich die Jugend von heute in Denen verhält.
Da gingen mir jene alte Zeiten durch den Kopf, als ich mit dem Denken anfing. Irgendwie eine sehr schöne Erinnerung, die mich heimsuchte.
Ich kann mich bis zu meinem 3. Lebensjahr zurückerinnern.Das war 1980. Ich lebte in einem großen Haus unterm Dach mit meiner Mutter. Das Haus stand am Waldrand und ich hatte eine riesige Schaukel, die mein Onkel mir gebaut hatte. Der übrigens mit seiner Familie im selben Haus lebte (und immer noch lebt).
Mein gesamter Tag bestand darin, die Natur zu erkunden, mit meinen Cousinen draussen herumzutollen und einfach nur Kind zu sein. Einen Fernseher gab es damals bei uns nicht, denn den konnte sich keiner leisten. Also war die Natur das, was mich am meisten beschäftigte. Ich kann mich gut daran erinnern,wie ich mit meinen Gummistiefeln über ein Feld marschierte, wo ich irgendwann im Schlamm versank. Erst befreite ich mich von meinen Stiefeln, dann von den Socken und irgendwann war ich barfuß und kam dennoch nicht mehr weiter. Zwar wurde ich *gerettet* aber bekam auch den Hintern voll, weil ich so unachtsam war. Ich denke, meine Mutter war einfach nur sauer auf mich
1982 zogen wir dann in die Stadt, was eine Umstellung. Es war plötzlich laut, voll und es stank überall nach Autos. Es gab zwar nicht viele Autos, aber es waren genug, um ausreichend die Luft zu verpesten. Meine Eltern hatten geheiratet und wir hatten eine 3 Raumwohnung im Altbau mit Aussenklo – man konnte da nicht viel erwarten, in der DDR kamen die Neubauten erst sehr spät und einziehen ging da nur,wenn man gute Connections hatte und wer besonderes war. Nur mir war es egal, ich war Kind. Ich lernte viele andere Kinder kennen, durch den Kindergarten, später durch die Schule. Ich lernte, wie man Fahrrad fährt – mein erster Versuch endete an einem Kleintransporter – aber ich konnte fahren
, ich war in vielen Projekten, die für Kinder bereitgestellt wurden, tätig und mit Hingabe ein Jungpionier. Das Kino und die Disco waren noch bezahlbar und alle Klassenfahrten gab es umsonst.Ich konnte also in Ruhe, in Geborgenheit und vorallem sicher zum Jugendlichen werden.
Doch was ist heute? Ich bin selbst Mutter und erlebe eine vollkommen andere Jugend bei meinen Kindern. Das Internet bzw. der Computer bestimmt die Zeit.Meine Kinder besitzen seit dem Schulalter einen PC (ursprünglich für die Schule gedacht), ich hatte meinen ersten PC 1995 zu stehen und hab Solitär oder Anno 1602 drauf gezockt. Die frische Luft muss man Ihnen aufzwängen, sonst würden sie binnen kürzester Zeit am Schreibtischstuhl festwachsen. Und wenn es ums Einkaufen geht dann stellt man fest:
Das Lexikon von damals heisst heute Google. Der Plattenladen mittlerweile I-Tunes oder Emule…. der Schnäppchenmarkt (den wir damals niemals benötigten) nennt sich nun Ebay. Ich habe eine Cassette in den Rekorder getan, um Musik zu hören. Als ich einen Walkman bekam, war ich sau stolz. Heute schmeisst man den PC an und öffnet den Media Player …
War man damals begeistert über ein Musikstück, dann unterhielt man sich gemeinsam mit seinen Freunden bei einer Cola darüber. Heute schmeisst man sein Handy auf dem Schulhof/auf der Strasse an und rockt mit der Clique ab. Vom Strassenslang ganz zu schweigen – wie oft muss ich meine Kinder ermahnen, sie sollen deutsch mit mir reden, da ich sonst nix verstehen kann.
Ich hatte als Kind einen kleinen eigenen Garten.Dort habe ich gern was angebaut und mit Freude – sofern es klappte – auch was geerntet. Heute loggt man sich bei Facebook ein und spielt Farmville … (ja, ICH auch). Und wenn man mit den Freunden einfach mal los wollte, rief man vorher einfach bei Denen an,sofern man ein Telefon besaß, oder ging einfach vorbei. Heute kommuniziert man eben über Messengerdienste. Oder per SMS. Oder gar nicht. Weil man im WorldWideWeb wieder soviel zu tun hat.
Wo sind wir gelandet? Was haben die letzten 20 Jahre mit uns getan? Ich habe ja nichts gegen moderne Zeiten, die Technik und die Medizin sind im Fortschritt unschlagbar, aber wir müssen tagtäglich darüber nachdenken, ob wir das alles schaffen! Damals sind wir arbeiten gegangen, um uns etwas leisten zu können und hatten dennoch ein Leben. Heute geht es nur noch um das Überleben.Die Familie steht zwar weit vorn, aber der Job ist wichtiger geworden.
Manchmal möchte ich die Zeit einfach nur anhalten, tief durchatmen oder nochmal zurück, in das Haus am Waldrand. Wo ich noch ein kleines zufriedenes Mädchen war

HIER ist was schönes dazu niedergeschrieben. Meine Mama meinte, so (zwar nicht ganz genau), wäre es gewesen. ^^ Sie is 62 geboren und erzählt mir das auch öfter so wie du es geschrieben hast. Auch wenn in diesen fast 20 Jahren nochmal Unterschiede sein dürften. ^^ Selbst ICH vermisse schon meine Kindheit und ich bin erst 20. ^^
schöner Beitrag. Und ich kann ihn gut nachvollziehen. Bin zwar erst vier Jahre später als du im Westen aufgewachsen, aber man kann es schon vergleichen. Kurz nach meiner Geburt haben meine Eltern ein Haus am Stadtrand gebaut, wenn ich durch unseren Garten hinterm Haus raus bin, kamen nur noch Felder.
Quasi ein Riiiiesenkinderspielplatz, zum Glück haben sie das Ganze mittlerweile zum Naturschutzgebiet gemacht und so kann da nichts mehr gebaut werden.
Mit den anderen Kindern aus der Straße war ich eigentlich jeden Tag draußen, entweder Fußballspielen auf dem Sportplatz der direkt benachtbarten Schule oder in den Feldern spielen.
Das war schon unglaublich schön und ich kann das jetzt mit dem Alter erst so richtig schätzen.
Einen Fernseher hatten wir zwar, aber die Privaten waren damals ja erst im Entstehen und wir hatten daheim ziemlich lange lediglich 3 Sender, daher war der auch nicht so von Interesse. Computer und Konsolen kamen erst langsam in Mode und da waren dann die Freunde, Sportverein und sonstige Vereine wesentlich spannender und interessanter.
Zwar habe ich jetzt noch keine Kinder (von denen ich wüsste ^^), aber ich denke auch, dass die komplett anders aufwachsen als ich.
Zwar einerseits schön, dass sie in so eine technologisch spannenden Zeit aufwachsen würden, aber andererseits hat so eine Kindheit wie die unsere ja auch nicht geschadet. An einen Computer kommt immer noch früh genug.
*ganzüberraschtbin* Du warst mal klein? Wirklich in Echt? Spass beiseite, … du hast die letzten Jahre im Zusammenhang der digitalen Welt fabelhaft umschrieben. Dem ist eigentlich nichts mehr zuzufügen.
@Kerstin:
und ich gehe fest davon aus,das es nicht besser werden wird. Sondern noch viel schlimmer und schneller ….
@sprity:
Das Problem ist ja, der PC sollte eigentlich gar nicht rein ins Zimmer. Aber in der Schule ist er nun fester Bestandteil, bei Freunden ebenso. Und irgendwann hätte er so oder so einen *eingefordert*
– also haben wir fix vorgesorgt. Er ist ja ab und zu auch mal ganz *nützlich*
Ich kann von Glück reden, das meine Söhne ihren Sport dem PC noch vorziehen. Aber wer weiss, wie lange….denn Junior Nummer 1 ist mitten in der Pubertät – und das WorldWideWeb und die Mädels und überhaupt *g… sie werden ihn irgendwann auch kriegen….
@Mysti:
stell Dir vor, klein, unschuldig und vorallem liiiiiiieb